von Markus Dähne
Die Astrologie, die Deutung des Sternhimmels und der Beziehungen zwischen ihm und den Menschen, hat für viele Menschen auch in der heutigen Zeit nichts an Bedeutung verloren. Die Wissenschaft dagegen sieht das skeptisch, steht für sie doch fest, dass an der Astrologie nichts dran ist. Durch beständiges Forschen und kritisches Hinterfragen hat uns die Naturwissenschaft Astronomie zu einem fantastischen Weltbild geführt, während es die Astrologie vorzieht, an überkommenen Vorstellungen festzuhalten und so die - scheinbar - zentrale Stellung des Menschens im Universum, wider besseren Wissens, aufrecht zu erhalten. Beide Disziplinen - einst untrennbar miteinander verbunden - haben sich so denkbar weit voneinander entfernt.
Aber warum sind sich die Wissenschaftler
mit ihrer Ablehnung der Astrologie so sicher? Könnte es nicht doch
sein, dass die Himmelskörper uns beeinflussen oder dass man zumindest
an ihrer Stellung am Himmel etwas ablesen kann? Dass Kräfte wirken,
die sich einer naturwissenschaftlichen Überprüfung entziehen?
Dass Astrologie auf Jahrtausende alten Erfahrungen beruht?
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Wissenschaft ist meist weniger eine Frage von Sicherheit, sondern mehr eine Frage von Wahrscheinlichkeit. Man kann schliesslich nichts mit Sicherheit ausschliessen, die Frage aber ist: Wie wahrscheinlich ist es? Dass Astrologie 'funktioniert', ist aus astronomischer Sicht eben extrem unwahrscheinlich.
Zunächst einmal hat sich das
Welt- und Menschenbild grundlegend gewandelt: Standen vor Jahrtausenden
noch die Erde und der Mensch im Mittelpunkt des Universums, so ist heute
klar, dass diese Ansicht grundlegend falsch ist. Die Forschung lässt
uns mittlerweile Milliarden Lichtjahre weit ins All blicken, und unser
Planet ist nicht nur einer der kleinsten in unserem Sonnensystem, auch
ist die Sonne nur einer von 100 Milliarden Sternen in unserer Milchstraße,
und diese ist wiederum nur eine unter zig Milliarden Galaxien. Diese Dimensionen
und damit unsere eigene Bedeutungslosigkeit - räumlich wie zeitlich
- sind für unseren Verstand zwar nicht wirklich fassbar, eines wird
jedoch klar: Die Astrologie, und auch jede andere Disziplin, die dem Menschen
eine besondere oder irgendwie bedeutende Stellung im Universum zuweist,
ist offensichtlich so unrealistisch und falsch wie nur irgend möglich.
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Unrealistisch ist auch die Art und Weise, wie Astrologie 'funktionieren' soll. Eine grundlegende Bedeutung kommt bekanntlich den Tierkreiszeichen zu. Sie basieren auf Sternbildern, durch die im Laufe des Jahres die Sonne am Himmel wandert. Wer jedoch einmal in der Wüste oder im Hochgebirge zum Himmel blickt, der wird in dem Sternengewimmel selbst mit größter Anstrengung seiner Fantasie keine deutlichen Figuren erkennen können. Folglich ist die Festlegung von Sternbildern - und damit auch der Tierkreiszeichen - völlig willkürlich erfolgt. Jeder kann sich seine eigenen Sternbilder ausdenken. Dass man anhand dieser Willkür Menschen in Widder, Waagen, Schützen usw. einteilt, man ihnen Charaktereigenschaften zuweist - und dass diese dann auch noch zutreffen sollen, ist mit Logik selbstverständlich nicht erklärbar. Mit Selbstbetrug schon eher: Die jeweiligen Charaktereigenschaften treffen mehr oder weniger auf jeden Menschen zu oder werden nur bei denjenigen wahrgenommen, bei denen es vom Sternzeichen her passt.
Auch dachte man früher, dass der Sternhimmel unveränderlich ist - bis man feststellte, dass Sterne Eigenbewegungen haben und sich der Sternhimmel im Laufe von zig tausend Jahren dadurch natürlich deutlich verändert. Die Frage nach der Existenz von festen Sternbildern ist damit hinfällig.
Dass sich die Tierkreiszeichen im
Laufe der Zeit aufgrund der Präzession, der Drehung der Erdachse,
verschoben haben und diese mit dem realen Sternhimmel nichts mehr zu tun
haben, ist da nur ein weiteres Detail, das eigentlich keine weitere Diskussion
wert ist. Fragt sich nur, welche Grundlage die Astrologie eigentlich hat
- die Sterne sind es jedenfalls nicht. Und gegen naturgegebene Tatsachen
nützen auch sekundengenaue Angaben des Geburtszeitpunktes nichts.
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'Die Astrologie ist die älteste
Wissenschaft' - diesen Satz hört oder liest man so oder ähnlich
immer wieder, in den Raum gestellt von Menschen die von der Astrologie
fasziniert sind. Den echten Wissenschaftler fasziniert etwas ganz anderes:
Nämlich wie man in einem einzigen kurzen Satz soviel Unsinn unterbringen
kann.
Erstens ist Astrologie keine Wissenschaft:
Wissenschaft erfordert eine besondere Art der Ehrlichkeit, eine Bereitschaft
zur Selbstkritik, die in den Pseudowissenschaften generell fehlt.
Zweitens werden wir nie erfahren,
ob sich die Menschen wirklich als 'erstes' mit den Sternen wissenschaftlich
befasst haben oder nicht doch mit irdischen, lebensnäheren Dingen.
Drittens, weil Astrologie immer
auf Beobachtungen des Sternhimmels - also auf zunächst astronomischer
Tätigkeit - aufbaut, also immer zuerst die Astronomie kommen muss.
Viertens, weil astronomische Beobachtungen
in früher Zeit offensichtlich betrieben wurden - wie man z.B. aus
der Anlage von Stonehenge ableiten kann -, ob aber auch schon Astrologie
betrieben wurde, ist unbekannt, da keine schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen.
Fünftens, weil das Alter der
Astrologie keine Auskunft gibt über ihre Richtigkeit. Das Wort 'alt'
kann man hier genauso gut gleichsetzen mit 'veraltet', 'überholt',
'im Nachhinein als falsch erwiesen'.
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Liest man die Erklärungen der Astrologen zu all den Zweifeln und Vorwürfen, so findet man immer das gleiche: Seitenlange 'Erklärungen', die in Wirklichkeit keine sind. Beteuerungen, dass immer alles falsch verstanden wird und nur die Astrologen selbst die Wahrheit kennen, auch wenn das meist nicht so deutlich formuliert wird. Die Behauptung, dass Astrologie sich auf einer anderen Ebene abspielt - was natürlich nicht beweisbar ist. Man findet einfach alles, nur nichts Handfestes. Und irgendwie macht jeder Astrologe seine eigene Astrologie, nicht selten mit der Überzeugung, dass nur seine Astrologie die richtige ist - auch das meist äusserst subtil formuliert.
So ermöglichen unzureichende
naturwissenschaftliche Kenntnisse und die nötige Ignoranz gegenüber
der Natur den Jahrtausende langen Fortbestand etlicher Irrlehren; in Astrologie
und Esoterik wimmelt es nur so davon.
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Sieht man von den gelegentlich horrenden Preisen einer astrologischen Beratung ab, steckt dabei wohl eher selten böse Absicht dahinter, als vielmehr der Wunsch, das Bedürfnis nach Orientierung im Leben zu befriedigen. So spielt in der Astrologie denn auch die psychologische Komponente eine tragende Rolle.
Der Gedanke der Lebenshilfe ist natürlich grundsätzlich positiv zu bewerten. Für den Wissenschaftler ist es nur unverständlich, dass dazu zusätzlich noch die Sterne bemüht werden müssen, die mit den Menschen und ihrer Psyche offenbar so gar nichts zu tun haben.
Und die vermeintlich positiven Erfahrungen der Menschen? Sie lassen sich mit selektiver Wahrnehmung, Selbsttäuschung und einem Hang zum Glauben jedenfalls weit besser erklären als mit realen Zusammenhängen.
Alles in allem nicht ausreichend für die Wissenschaft, um der Astrologie einen Nutzen oder einen realen Hintergrund zu bescheinigen.

August 2008